Auf Augen schneiden

Bei jungen Pflanzen auf Augen schneiden

Viele Autoren geben bei ihren Anleitungen zum Rückschnitt an, auf wie viel Zentimeter man zurückschneiden soll. Das finde ich vor allem bei jungen Clematis nicht so gut. Vielmehr achte ich darauf, auf Augen zu schneiden. Als Auge bezeichnet man den Teil einer Pflanze, an dem sich ein neuer Trieb bildet. Sie liegen meist paarweise in den Blattachseln. Warten Sie mit dem Rückschnitt bis zum Frühjahr. Dann können Sie erkennen, wo sich intakte Augen befinden. Prinzipiell könnten Sie Clematis auch schon im November oder Dezember schneiden. Anders als bei den Rosen ist bei ihnen die Gefahr des Zurückfrierens viel geringer. Allerdings sind zu diesem Zeitpunkt sind die Augen kaum sichtbar. Deshalb ist es vor allem für Clematis-Einsteiger besser bis zum Austrieb zu warten.

Austrieb einer Clematis mit gut sichtbaren Augen

Wenn Sie eine Clematis pflanzen, hat sie meist nur drei Triebe, manchmal sogar weniger. Diese Triebe sind hin und wieder im unteren Bereich nicht gut mit Augen bestückt. Halten Sie sich ganz korrekt an die Rückschnittempfehlung von z.B. 20 -30 Zentimetern, kann es passieren, dass sich in diesem Bereich keine Augen mehr befinden. Die Pflanzen muss sich dann durch einen Neuaustrieb aus dem Boden regenerieren. Es ist aber nicht sicher, dass dieser Neuaustrieb bei frisch gepflanzten Exemplaren auch kommt. In so einem Fall lässt man lieber mal einen Trieb etwas länger stehen.  Als Beispiel will ich Ihnen hier eine Clematis Venosa Violacea zeigen, die seit vier Jahren in meinem Garten steht. Sie hat nur einen Trieb, der im unteren Bereich keine Augen zeigt. Obwohl es sich um eine viticella handelt, die man stark zurückschneiden soll, habe ich sie nie kürzer als einen Meter geschnitten. Im Sommer blüht sie trotzdem einigermaßen. Ich bezweifle stark, dass sie nochmal ausgetrieben hätte, wenn ich sie auf 30 cm gekürzt hätte.

 

Bei älteren Exemplaren Rückschnitt auf Auge nicht mehr so wichtig

Haben sich Ihre Clematis gut installiert, müssen Sie nicht mehr so genau auf die Augen achten. Zum einen wachsen dann vermehrt neue Triebe aus dem Boden. Zum anderen sind auch die alten Triebe sind erstaunlich regenerationsfähig. Besonders bei den viticellas ist es im Frühling immer wieder ein besonderes Schauspiel, wenn aus dicken, braunen und verholzten Clematisstängeln frischgrüne Triebe austreiben. 

Individuell angepasster Rückschnitt

Auf  dem Bild ist eine Clematis alpina im zeitigen Frühjahr zu sehen. Alpinas gehören zur Schnittgruppe eins und werden eigentlich nicht geschnitten. Falls ein Schnitt erforderlich ist, wird er nach der Blüte ausgeführt, d.h. nicht im zeitigen Frühjahr, sondern im Mai oder Juni. Trotzdem sollte man sich die Mühe machen und die Pflanzen im zeitigen Frühjahr genauer ansehen.

Junger Austrieb mit guten Augen in BodennäheAuf dem Bild erkennt mehrere ältere Triebe, die im Bodenbereich keine Knospen zeigen. Daneben ist aber auch ein Trieb zu erkennen, der im letzten Jahr neu aus dem Boden gewachsen ist. Er zeigt in Bodennähe (bis ca 20 cm) zwei gut entwickelte Augenpaare. Hier sollte man unbedingt von der oben dargestellten  allgemeinen Schnittpraxis  abweichen.  Der junge Trieb gehört nämlich oberhalb des zweiten Augenpaares geschnitten, damit er sich weiter verzweigt. Außerdem zeigt der Jungtrieb im oberen Teil grau-braune Verfärbungen, die sowieso entfernt werden sollten. Die neuen Augen entwickeln sich hoffentlich gesund. Falls nicht, muss die weitere Entwicklung beobachtet werden und der Jungtrieb gegebenenfalls ganz entfernt werden.

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