Lilien

Lilium O/T Hybride Baywatch

Lilien – die Stars im Garten

Lilie 'Snow Crystal'
Die Lilie ‚Snow Crystal‘ gehört zu den asiatischen Lilien. Sie bleibt niedrig.

Lilien gehören zu den Pflanzen, die seit dem Altertum eine besondere Faszination auf die Menschen ausüben. Große, makellose Blüten in auffälligen Farben und der schwere, süße Duft machen sie zu etwas ganz Besonderem. Schönheit und Exotik führen dazu, dass viele Bewunderer glauben, diese Zwiebelblumen seien empfindliche Diven, die nicht für den „Normalo-Gärtner“ geeignet seien. In einigen Fällen trifft das bestimmt zu. Aber es gibt genügend Sorten, die völlig unkomplizierte Gartenpflanzen sind. 

Auf genau diese Lilien wollen wir uns in einer vierteiligen Serie konzentrieren. In diesem ersten Artikel stelle ich Ihnen die unkomplizierten Vertreter kurz vor und gehe auf die allgemeinen Grundlagen der Pflege ein. In den folgenden drei Artikeln stelle ich die einzelnen Gruppen dann etwas detaillierter vor.

Unkomplizierte Lilien für jeden Garten

Ganz grob gesagt unterscheidet man bei den Lilien zwischen Arten und Hybriden. Dabei sind die Arten das „Ursprüngliche“ mit denen die Züchter gearbeitet und sogenannte Hybriden erzeugt haben. Das System nach H.F. Combers von 1949 teilt die Lilien folgendermaßen ein:

  • Martagon
  • Amerikanische
  • Candidum
  • Orientalische
  • Asiatische
  • Trompetenlilien (oft  L. longiflorum)
  • Dauricum
Lilium regale 'Album'
Die Königslilie Lilium regale. Sehr wüchsig und stark duftend.

Die Madonnenlilie (Lilium candidum), die Türkenbundlilie (Lilium martagon) und die Feuerlilie (Lilium bulbiferum) sind Gartenpflanzen, die schon seit  dem Mittelalter bei uns bekannt waren. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert kamen viele bisher unbekannte Arten aus dem Fernen Osten zu uns.

Seitdem wurde mit den Lilien viel gezüchtet und neue Kreuzungen entstanden. Mittlerweile gibt es viele Sorten innerhalb einer Art (z.B. asiatische Hybride) aber auch Hybriden zwischen den verschiedenen Arten. Letztere tragen als Kürzel die Anfangsbuchstaben der gekreuzten Arten, z.B. OT-Hybride (Kreuzung zwischen einer orientalischen und einer Trompeten-Lilie) oder LA-Hybride (Kreuzung zwischen Lilium longiflorum und einer asiatischen Lilie). Diese Hybriden stellen eine großartige Entwicklung dar, weil sie meist die Vorteile beider Elternteile vereinen. 

Mit folgenden Gruppen habe ich in meinem Garten sehr gute Erfahrungen gemacht:

  • Asiatische Hybriden
  • LA-Hybriden
  • OT-Hybriden

Diese Liliengruppen werde ich in Einzelbeiträgen genauer behandeln. Sie kennzeichnet allesamt, dass sie vollkommen winterhart sind und mit kalkhaltigem Boden zurecht kommen. Das soll nicht heißen, dass andere Lilien nicht auch im Garten gepflanzt werden können. Die oben genannten Gruppen fühlen sich jedoch unter meinen Bedingungen sehr wohl.  Orientalischen Lilien brauchen zum gesunden Gedeihen unbedingt sauren Boden. Aufgrund des hohen Kalkgehaltes in meinem Garten scheiden sie deshalb aus. Allerdings können Gärtner mit saurem Boden durchaus mehr Erfolg mit ihnen haben. Alternativ wäre die Topfkultur mit saurem Substrat eine Option. Lilium longiflorum gelten wegen geringer Winterhärte als heikel. 

Lilie O/T-Hybride 'Frontera'
Die O/T-Hybriden wachsen zu stattlichen Größen heran. Hier die Sorte ‚Frontera‘.

Standort und Bodenbeschaffenheit

Lilie Moleto und Rose Crescendo
Ton in Ton: Lilie Moleto und Rose Crescendo

Lilien lieben humosen Boden ohne Staunässe. Ein sehr kalkhaltiger Boden ist für Kultur einiger Lilien nicht geeignet. Die Lilien, die wir hier beschreiben, kommen gut mit kalkhaltigem Boden klar. Schwere, lehmige Böden neigen zu Staunässe. Deshalb müssen sie vor der Pflanzung gelockert und Drainagematerial eingebracht werden.

Lilien wachsen gerne mit den Füßen im Schatten und dem Kopf in der Sonne. Eine Ausnahme ist die Madonnenlilie (Lilium candidum), die einen sonnenbeschienen Boden mag.  

Pflanzung

Lilienzwiebeln
Lilienzwiebeln sind aus einzelnen Schuppen aufgebaut. Nach ein paar Jahren kann man sie aufnehmen und die kleinen Zwiebeln in Töpfen weiterkultivieren.

Lilien können vom Herbst bis zum Frühjahr gepflanzt werden. Das größte Angebot gibt es meist im Frühjahr. Ich denke, das hängt damit zusammen, dass die Blumenzwiebelhändler im Herbst mit dem Versand der Frühjahrsblüher ausgelastet sind. Auf alle Fälle sollte man nach dem Kauf mit der Pflanzung nicht lange warten. Anders als beispielsweise Tulpenzwiebel, haben Lilienzwiebel keine schützende Außenhaut. Deshalb trocknen die schuppenartigen Zwiebeln sehr schnell aus.

Wie oben bereits erwähnt, reagieren alle Lilien empfindlich auf Staunässe. Lilien können auf nassen, schweren Böden nicht überleben. Den meisten Lilien wird wahrscheinlich im Winter der Garaus gemacht, wenn Wasser zwischen den empfindlichen Zwiebelschuppen nicht abfließen kann. Die gute Nachricht: Die meisten Böden kann man so aufbereiten, dass die Lilien sich wohlfühlen. Dies geschieht bei der Pflanzung durch die Einarbeitung von lockerndem Material. 

Lilien pflanzen
Das Loch muss so tief sein, dass unter der Zwiebel noch eine dicke Drainageschicht Platz hat.
Drainageschicht für Lilien
Als Drainage kann man beispielsweise Sand, Splitt oder Lavagranulat verwenden.

Lilien müssen unbedingt tief gepflanzt werden. Einige von ihnen bilden sogenannte Stängelwurzeln überhalb der Zwiebel aus. Diese geben der Lilie zusätzlichen Halt. Hier bilden sich oft auch Brutzwiebeln aus. Die Zwiebeln sollten zwei- bis dreimal so tief in der Erde sitzen, wie sie selber hoch sind. Zusätzlich hebt man den Boden noch tiefer aus, damit die Zwiebel auf einer etwa 10 cm dicken Drainageschicht sitzt. Das Auffüllmaterial wird ebenfalls mit Drainagematerial gemischt.

Wer in seinem Garten mit Wühlmäusen zu kämpfen hat, sollte die Zwiebeln in einem Drahtkorb pflanzen. 

Lilien sind übrigens sehr gut für die Topfkultur geeignet. Auch im Topf ist eine gute Drainage unverzichtbar.

Düngung

Lilium Friso aka Silk Road
Die Lilie Friso ist in Amerika unter dem Namen Silk Road bekannt. 

Im zeitigen Frühjahr erhalten meine Lilien mit anderen Starkzehrern wie Rosen und Clematis einen organischen Volldünger. Eine zweite Düngung gebe ich im Juli. Diese Düngung soll der Pflanze nochmal Kraft geben für die Zwiebelbildung. Während zu dieser Zeit frühe Lilien wie die asiatischen schon verblüht sind, fangen manch andere erst später an. Später sollte man aber nicht mehr düngen. Schließlich soll der Pflanze noch Zeit bleiben, den Dünger zu verwerten und umzusetzen.  Für die zweite Düngung im Sommer verwende ich gerne Flüssigdünger, der den Pflanzen schnell zur Verfügung steht. Der Dünger sollte einen hohen Kalianteil und einen niedrigen Stickstoffanteil haben. Flüssiger Tomatendünger ist bestens geeignet.

Schädlinge

Lilie Conca d'Or
Die Lilie Conca d’Or

Lilien sind bei Schnecken sehr beliebt. Ab dem Austrieb muss man die gefräßigen Weichtiere absammeln. Wenn ein Rittersporn im Frühjahr von den Schnecken gefressen wird, treibt er nochmal aus und kann trotzdem zur Blüte kommen. Wenn der Austrieb der Lilien abgefressen wird, kommt meist nichts mehr nach. Die Lilie ist für dieses Jahr verloren. Außerdem kostet der Totalausfall die Zwiebel viel Kraft und es kann passieren, dass sie „rückwärts wächst“ oder eingeht.

Wie ihr Name schon verrät, stehen die Lilienhähnchen total auf Lilien. Und zwar nicht nur die leuchtend roten, erwachsenen Käfer, sondern auch deren Larven. Die Käfer sind sehr schwer zu fangen, weil sie sich bei der kleinsten Gefahr fallen lassen. Obwohl sie gerade noch leuchtend rot waren, findet man sie schwer am Boden. Sie drehen sich auf den Rücken und sind kaum mehr sichtbar. Die Larven sind auch nicht leicht zu entdecken. Denn sie sitzen auf der Unterseite der Blätter. Sie hüllen sich in eine Kotschicht, um sich vor Fraßfeinden zu schützen. Hilft bei mir aber nichts. Ich schneide mit einer Schere die betroffenen Blätter ab und lasse sie in einen Eimer fallen, den ich darunter halte. 

Pflege

Einige Lilien können sehr hoch werden. Wenn sich zahlreiche Blüten ausbilden, besteht die Gefahr, dass die Pflanzen kippen. Diese Lilien sollte man unbedingt stützen. Allerdings ist hier Feingefühl notwendig. Der Stützstab sollte natürlich nicht in die Zwiebel gerammt werden.

Tigerlilie mit Papillen
Lilium henryi zeigt sogenannte Papillen. Das sind pickelartige Erhebungen auf den Blütenblättern. Teilweise sind sie auch farblich abgesetzt.
Lilie Pink Palace mit Clematis Araballa und Veronica Dark Maetje
Lilie Pink Palace mit Clematis Araballa und Veronica Dark Maetje

Verblühtes schneidet man ab, damit die Kraft nicht in die Samenbildung gesteckt wird, sondern in die Stärkung der Zwiebel. Der belaubte Stängel sollte stehen bleiben, damit die Blätter weiterhin Photosynthese betreiben können. Im Frühling kann man den Stängel locker aus der Erde ziehen. Das sollte man auch rechtzeitig machen. Schließlich soll der Neuaustrieb nicht im alten Schaft stecken bleiben. Im Spätsommer und Herbst stört es aber oft, wenn die Stängel unansehnlich braun im Beet stehen. Allerdings sitzen sie noch so fest, dass man beim Rausziehen die Zwiebel beschädigen würde. Ich schneide die Stängel zurück. Allerdings nur soweit, dass ich sie noch knicken kann. Warum? Wir haben ja die Samenstände entfernt und jetzt kann Regen in die dicken, hohlen Stängel eindringen und wird auf direktem Wege zur Zwiebel geleitet. Genau das wollen wir ja tunlichst verhindern.

Lilien als Schnittblumen

Strauß mit der asiatischen Lilie Corsage und Clematis Forever Friends
Strauß mit der asiatischen Lilie Corsage und Clematis Forever Friends

Jeder kennt Lilien als prachtvolle Schnittblumen. Die unterschiedlichsten Farben und Formen laden geradezu zur floristischen Gestaltung ein. Der Duft ist auch ein wichtiger Aspekt. Wobei vielen Menschen der schwere Lilienduft im Haus zu viel des Guten ist.

Grundsätzlich lassen sich Lilien aus dem Garten auch hervorragend als Schnittblumen verwenden. Allerdings sollte man mit Bedacht vorgehen und nur einzelne Blüten schneiden. Alle Blätter sitzen bei der Lilie direkt am Stängel. Er wird also gebraucht, um die Pflanze nach der Blüte noch mit Nährstoffen zu versorgen. Schneidet man zu viel weg, geht das auf Kosten des Zwiebelwachstums. Aber wie gesagt, hin und wieder einzelne Blüten für einen Strauß darf man sich gönnen.

Vorsicht ist mit den Staubblättern der Lilien geboten. Sie färben stark ab. Die Spuren lassen sich von der Kleidung nur schlecht wieder entfernen. Im Haus rieselt der Blütenstaub auch auf die Möbel. Zur Vorsorge können die Staubblätter mit der Schere entfernt werden.

Strauß mit Lilie Ubinas, Clematis flammula Rubromarginata und Rosen
Strauß mit Lilie Ubinas, Clematis flammula Rubromarginata und Rosen

Sonderstellung der Madonnenlilie

Lilium candidum Madonnenlilie
Die Madonnenlilie sollte schon Ende August gepflanzt werden. Sie überwintert mit einer bodenständigen grünen Blattrosette.

Die Madonnenlilie nimmt in mehrerer Hinsicht eine Sonderstellung ein. Ich habe bereits erwähnt, dass sie sich durchaus an sonnigen und heißen Plätzen sehr wohl fühlt. Anders als die anderen Lilien darf sie auf keinen Fall tief gepflanzt werden. Die Spitze der Zwiebel sollte nur wenige Zentimeter mit Erde bedeckt sein. Daneben ist ihr Vegetationszyklus anders als bei den anderen Lilien. Sie blüht schon relativ früh im Juni. Im Hochsommer zieht sie ein, um dann eine frische Blattrosette auszubilden, mit der sie überwintert. Die beste Pflanzzeit ist deshalb schon Ende August. Auch die Madonnenlilie duftet stark. Die Duftnote geht mehr ins honigartige.  Viele Menschen empfinden ihn als angenehmer als den schweren orientalischen Duft anderer Lilien.