Clematis Sortenwahl

Das Wichtigste zu Clematis in einer kleinen Serie

Der Frühling naht. Für alle grünen Daumen die Zeit geschäftigen Treibens im Garten. Vielleicht habt ihr auch Lust, euch ein paar der herrlich romantischen Waldreben in den Garten zu holen. Deshalb starte ich heute eine dreiteilige Serie, in der ich die wichtigsten Punkte zusammenfasse. Den Anfang macht ein Artikel zur Sortenwahl. Im zweiten Teil wollen wir uns mit dem Einpflanzen und dem Schnitt beschäftigen. Abschließend gebe ich im dritten Teil Tipps zur Pflege und erkläre, wie man mit den wichtigsten Krankheiten und Schädlingen umgeht.

Etwas Grundsätzliches noch vorneweg. Drei Kernpunkte haben bei mir wesentlich zum Erfolg mit Clematis beigetragen:
1. Die Wahl der Sorte macht’s!
2. Allzweckwaffe gegen viele Clematisprobleme: die Schere!
3. Gib deiner Clematis drei Jahre Zeit!

Clematis Hybride The President, Rose Celeste
Die Clematis ‚The President‘ gehört zu den großblumigen Hybriden der Schnittgruppe 2. Sie zählt zu den robusteren Sorten aus dieser Schnittgruppe.

Clematis Sortenwahl

Es ist unglaublich, wie breit das Angebot bei den Clematis ist. Allein schon wenn wir uns die Blütezeit anschauen. Die unterschiedlichen Sorten blühen von Februar bis in den Oktober hinein. Auch was die Wuchshöhe betrifft, gibt es enorme Unterschiede.  Zwerge, die höchstens kniehoch werden und daneben wuchskräftige Schlinger, die über 10 Meter hoch werden. Es lohnt sich also, sich vorher genau zu überlegen, welche Sorte man will. 

Einteilung nach Schnittgruppen

Für Praktiker macht es Sinn, die Clematis nach Schnittgruppen einzuteilen. Denn so weiß man sofort, wie eine Clematis geschnitten werden möchte – oder auch nicht. Daneben geben die Schnittgruppen auch Hinweise auf die Blütezeit. Der Blütenreigen beginnt im Frühjahr mit Clematis aus der Schnittgruppe 1, Schnittgruppe 2 hat die Hauptblüte im Mai/Juni. Alles was ab Juni und später blüht gehört in die Schnittgruppe 3.

Schnittgruppe 1 -> Frühjahrsblüher. Sie blühen an Trieben, die im Vorjahr ausgebildet wurden

  • Immergrüne Clematis
  • tragene Clematis (Cl. alpina, macropetala, koreana, fauriei etc.)
  • Clematis montana

Schnittgruppe 2 -> Frühsommerblüher. Sie blühen im Frühsommer an Trieben, die im Vorjahr ausgebildet wurden und im Spätsommer an einjährigen TriebenFrühe, großblumige Hybriden wie z.B. Nelly Moser, Guernsey Cream, H.F. Young und viele mehr

Schnittgruppe 3 -> Sommerblüher. Sie blühen ab Juni an den einjährigen Trieben

  • späte großblumige Hybriden, wie z.B. Ville de Lyon, Perle d’Azur, Jackmanii, Comtesse de Bouchaud, Rouge Cardinal, Semu etc
  • Clematis viticella
  • Staudenclematis
  • Clematis der texensis Gruppe (texensis, viorna, crispa, etc)
  • Clematis flammula
  • Clematis vitalba
  • Clematis orientalis und tangutica (sehr viele gelbe Sorten, viele Sorten blühen noch im Herbst, attraktive Samenstände, zum Teil sehr kräftiges Wachstum)

Meine Empfehlung für alle Clematis-Neulinge: Hände weg von Clematis der Schnittgruppe 2. Sie sind schön, aber heikel. Leider werden gerade sie oft in Gartencentern und vielen Baumschulen angeboten. Clematis viticella und Staudenclematis sind „easy going“ und als Einsteigerpflanzen bestens geeignet.

Clematis viticella Etoile Violette
Clematis Sortenwahl für Anfänger. Die Clematis aus der Viticella-Gruppe sind für Einsteiger unbedingt zu empfehlen. Hier die Sorte ‚Etoile Violette‘.

Standort

Mit Ost- und Westlagen kommen alle Clematis gut zurecht. Hier hat man die größte Auswahl. Doch auch Südlagen tolerieren die meisten Clematis bei ausreichender Wasserversorgung gut. Besonders geeignet für die heißen Lagen sind Cl. viticella, Cl. recta, die Flammula- und die Orienalis-Gruppe. Texensis und viorna sind auch Sonnenanbeter. Allerdings ist diese Gruppe sehr anfällig für Mehltau. Stehen sie auf der Südseite, muss unbedingt für gute Durchlüftung gesorgt sein, um den Befall in Grenzen zu halten. Wer eine Clematis für eine Nordlage sucht, sollte bei den frühjahrsblühenden Alpinas suchen. Aber Vorsicht: Staunässe vertragen sie aber überhaupt nicht. Eine sehr gute Drainage ist lebenswichtig. Weiße und sehr helle, großblumige Hybriden eignen sich ebenfalls gut für schattige Bereiche.

Staudenclematis 'Miranda'
Staudenclematis können im Gegensatz zu den anderen Clematis nicht selbst klettern. Folglich müssen sie aufgebunden werden oder sich irgendwo anlehnen können. In der Pflege sind sie sehr unkompliziert. Deshalb auch für Anfänger gut geeignet. Im Bild die mittelblaue Sorte ‚Miranda‘

Wuchs

Kletternde Clematis

Die meisten Clematis klettern mit Hilfe sogenannter Blattstielranken, die sie um Zweige, Gitter etc winden. Das funktioniert nur, wenn die Stütze selbst nicht dicker als etwa ein Finger ist. Deshalb können dicke Holzpfosten oder ein Baumstamm können nicht erklommen werden. Hier muss man zusätzlichen Grip in Form von Gittern, Seilen o.ä. bieten. 

Viel zu wenig wird noch die Vergesellschaftung mit Sträuchern und Bäumen genutzt. Wieso nicht eine Montana im Traufbereich eines Nadelbaumes pflanzen und mit einem Seil in die Äste leiten. Sie wird sich dann ihren Weg suchen und dem eintönigen Baum zu einer überwältigenden Blüte verhelfen. Eine Alpina begleitet die Blüte eines Flieders. Oder eine Viticella schenkt dem Flieder eine zweite Blüte im Hochsommer. Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf und pflanzen Sie Clematis! Beachten muss man dabei jedoch immer, dass der Pflanzpartner die Last der Waldrebe auch tragen kann. Vorab also genau über die Größe in ausgewachsenem Zustand erkundigen.

Nicht kletternde Clematis/Staudenclematis

Daneben gibt es nicht kletternde Clematis, die keine Blattstielranken ausbilden. Sie müssen sich also irgendwo anlehnen oder aufgebunden werden. Ansonsten wachsen sie wie Bodendecker. Vor allem die beliebten Staudenclematis gehören hier dazu. Pflanzt man eine Staudenclematis an ein Rankgitter, muss man sich bewusst sein, dass man die Triebe regelmäßig festbinden muss. In der Hauptwachstumszeit im April und Mai kann das ziemlich aufwändig sein. In dieser Gruppe gibt es sehr große Unterschiedlich der Wuchshöhe und der Blütenform. Vor dem Kauf unbedingt erkundigen.

Clematis recta ‘Pamela’
Die Clematis recta ‘Pamela’ gehört ebenfalls zu den Staudenclematis. Ihre kleinen Blüten wirken sehr duftig.

Clematis für Pflanzgefäße/Kompakte Clematis

 

Clematis Abilene
Die Clematis Abilene gehört zur Boulevard-Serie des Züchters Raymond Evison. Diese Clematis zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich besonders für die Topfkultur eignen.

Prinzipiell wachsen Clematis sehr gut im Kübel. Es versteht sich von selbst, dass man eine Sorte wählt, die nicht höher als ca. zwei Meter wird. Das Ganze soll ja auch mit Rankgitter noch manövrierbar sein und nicht bei dem leisesten Windhauch umkippen.

Der Clematiszüchter Raymond Evison hat eine eigene Züchtungslinie für Clematis in Töpfen (Boulevard Serie) herausgebracht. Diese Clematis bleiben alle relativ niedrig bleiben. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie von oben bis unten blühen. Dazu werden sie jedes Jahr stark zurückgeschnitten. Wenn das Verblühte regelmäßig entfernt wird, blühen sie über mehrere Monate hinweg.

 

Weitere Infos zum Thema „Clematis Sortenwahl“ finden sich auch in diesem Artikel.

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